Thomas Kirchenkamp, Hochschulmanager der Wilhelm Büchner Hochschule (früher Private FernFachhochschule Darmstadt – PFFH) hat einen Kompetenzartikel zum aktuellen Fachkräftemangel insbesondere in den Bereichen Informatik- und Ingenieuerwissenschaften verfasst. Darin zeigt er auf, wie auch Arbeitnehmer ohne Abitur zum akademischen Abschluss geführt werden können.
Der Mangel an Fachkräften ist eines der derzeit größten Probleme der deutschen Wirtschaft. Laut einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums können in den nächsten Jahren etwa 100.000 Ingenieurstellen nicht besetzt werden. Ähnlich sieht es in der Informatik aus: Nach Angaben des Branchenverbandes BITKOM werden 59 Prozent der ITK-Unternehmen in Deutschland durch den Mangel an Fachkräften in ihrer Geschäftstätigkeit behindert. Derzeit sind deutschlandweit etwa 20.000 Stellen in diesem Bereich unbesetzt. Gesucht werden vor allem Software-Entwickler, IT-Projektmanager und ITBerater mit Hochschulabschluss. Insgesamt schätzt das Wirtschaftsministerium, dass der Mangel an Fachkräften Deutschland bis zu ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts kostet – das sind allein für 2007 mehr als 20 Milliarden Euro.
Politik und Wirtschaft haben eine Reihe von Lösungsansätzen entwickelt, um diesem Problem entgegen zu wirken. Dazu zählt unter anderem das Ziel, künftig rund 40 Prozent der Abiturienten eines Jahrgangs für ein Studium zu begeistern. Dass dies erst in einigen Jahren dem Fachkräftemangel entgegenwirkt, verdeutlichen die aktuellen Zahlen: So ist die Zahl der Studienanfänger im Fach Informatik von 2000 bis 2007 um ein Viertel auf rund 28.000 zurückgegangen. Auf 100 pensionierte Ingenieure kommen in Deutschland derzeit 90 Nachwuchskräfte aus den Hochschulen. Im Vergleich dazu stehen international 190 Absolventen als Ersatz für 100 Ingenieur-Pensionäre zur Verfügung. Ein weiterer Vorschlag ist daher, ausländischen Spitzenkräften den Eintritt in den deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern und so den Mangel an Fachkräften auszugleichen.
Lösung: Lebenslanges Lernen
Bisher wenig Beachtung fand ein dritter Weg, der kurzfristig einen Ausweg aus dem Fachkräftemangel verspricht: Berufstätige weiter zu qualifizieren und zum Hochschulabschluss zu führen. Der Weg zum Diplom oder Bachelorgrad stand allerdings lange nur Interessenten mit Hochschulreife offen. Begabte oder technisch Versierte, die in ihrer Jugend aus verschiedenen Gründen kein Abitur ablegen konnten, mussten dies vor dem Studium nachholen.
Ingenieurstudium ohne Hochschulreife
Was viele nicht wissen: In Hessen gibt es für beruflich Qualifizierte ohne Hochschulreife spezielle Regelungen für den Hochschulzugang. Wer über einen Abschluss als Meister verfügt, ist in Hessen zum Studium an allen Hochschulen berechtigt. Außerdem sind unter anderem auch staatlich geprüfte Techniker/innen, Betriebswirte/Betriebswirtinnen, Fachkaufleute, Bilanzbuchhalter/ innen und Controller/innen in Hessen zugelassen, sofern sie eine mindestens vierjährige hauptberufliche Tätigkeit nachweisen können. Eine genaue Auflistung aller Qualifikationen, für die diese Regelung gilt, finden Interessenten hier.
Fernstudium an der Wilhelm Büchner Hochschule
Auch denjenigen, die keinen dieser Abschlüsse besitzen, bleibt der Zugang zum Studium nicht verwehrt. So steht die Private FernFachhochschule Darmstadt (Wilhelm Büchner Hochschule) mit ihren berufsbegleitenden Diplom- und Bachelorstudiengängen für Elektrotechnik, Mechatronik und Informatik auch beruflich Qualifizierten ohne Hochschulreife offen. Voraussetzung dafür ist, dass die Interessenten ihre Vorbildung und Eignung für ein Hochschulstudium in dem angestrebten Studienbereich in einer Hochschulzugangsprüfung (HZP) nachweisen. Das Besondere des Angebots der Wilhelm Büchner Hochschule liegt darin, dass Berufstätige ohne Hochschulreife direkt mit einem Gaststudium (in der Regel zwei Semester) beginnen können. Während dieser Zeit erwerben sie parallel die Hochschulzugangsberechtigung. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Studierende verliert zum einen keine Zeit. Zum anderen rechnen die Prüfungsausschüsse des Landes Hessen in der Regel Leistungsnachweise aus dem Gaststudium teilweise auf die HZP an. Bisher haben alle an der Wilhelm Büchner Hochschule eingeschriebenen Studierenden ohne Hochschulreife die HZP erfolgreich bestanden. Berufstätige ohne Hochschulreife, die an der Wilhelm Büchner Hochschule einen Ingenieursabschluss erlangen möchten, müssen eine abgeschlossene Ausbildung, eine qualifizierte Weiterbildung sowie eine vierjährige hauptberufliche Tätigkeit vorweisen. Da aber das erste Studienjahr als berufstätiger Student der Wilhelm Büchner Hochschule auf die geforderte Dauer der Berufserfahrung sowie auf die geforderte Weiterbildung angerechnet wird, ist ein Beginn des Studiums an der Wilhelm Büchner Hochschule bereits nach drei Jahren Berufstätigkeit möglich. Diesen Weg zu gehen, bedeutet für künftige Studierende meist einen Einschnitt in ihr bisheriges Leben. Er bietet auf der einen Seite die Chance, neue Lebensperspektiven aufzubauen, verlangt aber die realistische Einschätzung der eigenen Belastbarkeit und Flexibilität. Zahlreiche Statistiken belegen jedoch, dass diese Art des Hochschulzugangs genauso Erfolg versprechend ist wie der direkte Zugang mit Abitur.
Hinweis: Dieser Text wurde Fernstudium-Infos.de von der Wilhelm Büchner Hochschule zur Verfügung gestellt.
Beispiele von Studierenden der Wilhlem Büchner Hochschule ohne Abitur sind hier zu finden.
Mehr Infos zur Wilhelm Büchner Hochschule auf Fernstudium-Infos.
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