Ute Brandenburg aus Monschau ist dreifache Mutter und Fernstudentin des Jahres 2008. Im Interview mit Fernstudium-Infos.de hat sie erläutert, wie sie die Mehrfachbelastung durch Studium, Job und Familie bewältigt hat und gibt Tipps für andere Fernstudenten in einer ähnlichen Situation.
Frau Brandenburg, Sie haben Ihr Fernstudium parallel zu einem anstrengenden Job und einer Familie mit drei Kindern absolviert. Wie haben Sie sich organisiert, um diesen vielen Anforderungen gerecht werden zu können?
Die Zeitplanung sah so aus, dass ich gegen 13:30 Uhr von der Arbeit nach Hause kam, essen, ein wenig Hausarbeit und dann lernen, circa von 15 bis 18 Uhr. Samstags und Sonntags war nicht vorgesehen. So weit die Planung. Die Realität sah aber durch die Kinder meistens anders aus. Mal funktionierte es besser, oft aber weniger gut. Da mein Mann im Außendienst tätig ist, kam er abends meist erst später nach Hause. Diese Zeit habe ich noch genutzt. Außerdem hatte sich mein Studium etwas in die Länge gezogen. Aber wichtig war mir, dass die Kinder die Zeit, die nötig war, auch von mir bekamen. Danach kam mein Studium. In den Prüfungsphasen hatte ich dann doch mal die Priorität anders gesetzt. Dann hatte mein Mann vieles aufgefangen.
… eine große Belastung, für die man viel Kraft benötigt. Welchen Ausgleich hatten Sie, um immer wieder neue Kräfte zu tanken?
Dienstags abends im Turnverein 1,5 Stunden Gymnastik, samstags draußen arbeiten und sonntags spazieren gehen oder ähnliches. Der beste Ausgleich war Bewegung an der frischen Luft.
Wie haben Sie sich für das Fernstudium motiviert? Gab es auch Krisen?
Ich hatte schon immer Spaß am Lernen, auch in der Schule. Außerdem wollte ich, wenn die Kinder so groß waren, dass ich ganztags arbeiten könnte, in dem Gebiet arbeiten, was mir schon immer Spaß gemacht hat. Das langfristige Ziel war meine Motivation.
Als ich mit dem Studium anfing, trug ich früh morgens Zeitungen aus ( 3-7 Uhr) und ging donnerstags und freitags anderweitig arbeiten. De facto hatte ich dann drei Tage, um den Haushalt zu erledigen und für das Studium. Das war definitiv zu wenig. Für das erste Leistungssemester hatte ich dann auch 2 Jahre gebraucht. Da stellte sich die Frage: Aufgeben oder was ändern?
Aufgeben wollte ich nicht. Dann habe ich mich bei IT-Firmen beworben. Es war genau die Zeit der Diskussion über die Greencard. Ich hatte Glück und konnte mit 25 Stunden/Woche bei meinem jetzigen Arbeitgeber im Quality-Bereich, Test und Support, anfangen. Von da an war die Motivation dadurch verstärkt, dass man sehen konnte, wie das theroretisch Erlernte umgesetzt wird, oder auch nicht, und welche Konsequenzen daraus entstehen. Außerdem fühlte ich mich nun auch verpflichtet, weiterzukommen. Mir standen nun fünf Nachmittage zur Verfügung. Und mit neun Monaten pro Semester war ich dann auch zufrieden.
Zum Schluss, gerade während der Diplomarbeit, die auch in sechs Monaten geschafft sein musste, wurde es nochmals richtig anstrengend. Aber da war das Ziel schon vor Augen und wir sagten uns, den Rest schaffe ich auch noch.
Wie haben Sie die Betreuung und Unterstützung durch die Wilhelm Büchner Hochschule erlebt?
Für mich genau richtig, nicht zu viel oder bedrängend. Bei Problemen stieß ich immer auf ein offenes Ohr und Verständnis. Die Hilfe kam dann auch immer zügig. Die Betreuung der Diplomarbeit ging über das erwartete Maß hinaus. Hier hatte Herr Prof. Zimmermann immer zeitnah geantwortet, was für ihn bedeutete, abends sehr spät und am Wochenende zu arbeiten. Diese Zusammenarbeit habe ich als sehr konstruktiv empfunden. Große Anerkennung für ihn.
Auch die Studiengebühren sind für eine fünf-köpfige Familie ein zusätzliche Belastung. Wie haben Sie die Finanzierung sicher gestellt?
Glücklicherweise war das Verdienst meines Mannes so, dass wir das aus den laufenden Einnahmen bestreiten konnten. Dafür wurden andere Sachen zurückgestellt. Wir haben das als Investition in die Zukunft gesehen.
Wie ist das Fernstudium bei Arbeitgebern angekommen (Bewerbungsgespräche etc.)?
Das Studium war die Voraussetzung, hier überhaupt anfangen zu können. Wie ober schon erwähnt stand ich ganz am Anfang, als ich mich beworben habe. Aber bei uns arbeiten einige Studenten als HiWi, und viele werden auch übernommen. Dass ich nach dem Studium bleiben konnte, war damals schon sehr schnell klar. Dies nahm natürlich auch viel Druck weg.
Was hat Ihnen das Fernstudium gebracht (persönlich, beruflich, finanziell, …)?
Persönlich: Die Erfahrung, dass Geduld mit sich selbst und der Familie und Ausdauer viel weiterhelfen, ein Ziel zu erreichen. Man lernt zwar nicht mehr so, wie zu Schulzeiten. Aber man kann in jedem Alter noch lernen, wenn man will. Auch wenn man das dann auf andere Art und Weise macht. Den Spaß am Lernen habe ich behalten. Im Vorfeld zwar nicht wichtig, aber im Nachhinein doch schön ist auch die Anerkennung, die man durch Bekannte und sogar von der Öffentlichkeit erfährt.
Beruflich: Ich arbeite in dem Bereich, der mir sehr viel Spaß macht. In unserer Firma fühle ich mich sehr wohl. Das Arbeitsklima und die Firmenphilosophie ist ungewöhnlich menschlich. Personalentwicklung wird gelebt. Das weiß ich sehr zu schätzen. Gerade in der jetzigen Zeit.
Finanziell:Auch wenn netto nicht so viel übrig bleibt, wie man sich erhofft hat, das Einkommen ist wesentlich höher als bei einem Zeitungsboten und einer Putzfrau. Außerdem habe ich nun, da die Kinder erwachsen sind, eine Vollzeitbeschäfftigung. Das wirkt sich natürlich auch auf spätere Rentenansprüche aus.
Welche Tipps können Sie anderen Studienanfängern geben, die sich in einer ähnlichen Situation wie Sie befinden?
Nie die Geduld mit sich selbst und mit der Familie verlieren. Ruhe hilft viel mehr weiter als Drang nach Perfektionismus. Nie das langfristige Ziel aus den Augen verlieren: Viele kleine Schritte führen genauso zum Erfolg wie wenige große.
Vielen Dank für dieses interessante Interview.
Weitere Infos zur Wilhelm Büchner Hochschule:
- Rundschau-Artikel
- Forum bei Fernstudium-Infos.de
- Infomaterial zur Wilhelm Büchner Hochschule
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