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Interview mit dem ILS zum Thema “Fremdsprachen per Fernunterricht”

29. November 2007

Die Stiftung Warentest hat Sprach-Fernlehrgänge getestet. Dies ist für Fernstudium-Infos.de der Anlass für ein Special zum Thema Sprach-Fernkurse.

In diesem Zusammenhang hat Fernstudium-Infos.de auch ein ausführliches Interview mit Frau Karen Heinrich (M. A.), geführt, die für die allgemeinbildenden Kurse des Instituts für Lernsysteme (ILS) und der Klett Fernakademie (FEB) verantwortlich ist.

Der erste Teil, eine ausführliche Stellungnahme zum Test der Stiftung Warentest, wurde bereits veröffentlicht. Hier nun der zweite Teil, in dem Frau Heinrich unter anderem auf das Konzept der Sprachfernkurse eingeht.

Welche Fernkurse bietet das ILS an? – Sind diese vom Konzept her alle vergleichbar mit dem von der Stiftung Warentest untersuchten Kurs?

Die Stiftung hat einen Englisch-Grundkurs getestet. Ein Kurs, der durchaus nicht schlecht ist, den wir aber gerade dabei sind, durch einen neuen Kurs abzulösen, um auf die veränderten Lernvoraussetzungen gerade unserer jüngeren Lerner zu reagieren.

An Fernkursen bieten wir eine große Palette auch im Fremdsprachenbereich an (auf jedem Niveau, mit vielen Wahlmöglichkeiten, vor allem auch bezüglich der Prüfungsmöglichkeiten). Man kann diese Kurse nicht über einen Kamm scheren, sind sie doch je nach Einstiegsniveau und vor allem je nach Ziel unterschiedlich konzipiert.

Bitte gehen Sie näher auf das Lernprinzip der angebotenen Kurse ein.

Grundprinzip aller Kurse: Kleinschrittigkeit, Abwechslungsreichtum, Vielfalt der Übungsformen sowie Begleitung durch authentisches Audiomaterial. Im Vordergrund steht stets der kreative, aktive Sprachgebrauch, das heißt geringer Anteil an multiple choice und ähnlichen Übungsformen, die in den meisten Softwareangeboten vorherrschen und die dort als wenig motivierend, zielführend und wenig aussagefähig sehr viele Kunden in die Flucht geschlagen haben.

Weiterhin stehen im Vordergrund: Training aller Skills, landeskundliche Aspekte, Lerntipps, (Hör-)Textvielfalt und Sprachwissen (“Parroting” (nachsprechen von Mustern ohne Sprachwissen) ist in der Erwachsenenbildung als Prinzip seit langen Jahren überholt und entspricht nicht den lerntheoretischen Erkenntnissen) sowie die enge Einbindung von Kontaktmöglichkeiten zu Fernlehrern und Kommilitonen.

Wann sind die Studienunterlagen konzipiert worden? Wie oft werden diese aktualisiert?

Die Kurse werden regelmäßig überprüft und, wenn notwendig, überarbeitet oder ersetzt. Der “überprüfte” Lehrgang ist fast 10 Jahre alt, entspricht durchaus noch den aktuellen methodisch-didaktischen Anforderungen, wird aber trotzdem ausgetauscht, da jüngere Lerner heute mit größeren Problemen beim eigenständigen Lernen oder bei formalen Vorkenntnissen zu kämpfen haben. Dem wird der neue Lehrgang mehr Rechnung tragen.

Welches Betreuungskonzept liegt den Kursen zu Grunde?

Das Betreuungskonzept sieht eine Vielzahl von Kontaktmöglichkeiten vor: Im Vordergrund steht die Wahlmöglichkeit, denn erwachsene Lerner haben die unterschiedlichsten Bedürfnisse.

  • Kontaktmöglichkeiten über E-Mail (Reaktionszeit: 1 – 2 Tage)
  • Online-Studienzentrum (chats jederzeit, die Einrichtung fester chat-Gruppen in eigenen Räumen, betreute chats zu vorgegebenen wöchentlichen Zeiten)
  • Fax
  • Telefon (Mailboxsystem – Der Fernlehrer ruft meist am selben oder am folgenden Tag zurück; hier werden nicht nur Fragen beantwortet, sondern auch Simulationen von Alltags- oder Prüfungsgesprächen durchgeführt)
  • komplexe Einsendeaufgaben, die oft und immer häufiger einen schriftlichen und einen mündlichen Teil (über den Austausch von mp3-Dateien) umfassen

Haben die Fernlernenden einen festen Lehrer für die Dauer des Kurses?

Feste Fernlehrer gibt es je Modul. So ist gewährleistet, dass die Teilnehmer einerseits feste Bezugspersonen haben, andererseits aber nicht im gesamten Lehrgang auf lediglich einen Fernlehrer angewiesen sind, nur dessen Einschätzung bekommen, nur dessen Korrekturweise sehen – das wäre langweilig und einseitig. Auch im realen (Lern-)Leben wird man von unterschiedlichen Menschen (sanftmütigen, nachsichtigen, strengen, sehr genauen,…) beurteilt. Die einseitige Fixierung nur auf einen Fachlehrer ist unseres Erachtens nicht empfehlenswert. Wir streben einen Wechsel in vernünftigen Abständen an.

Nach welchen Kriterien werden die Tutoren ausgewählt? Sind diese zu ausführlichen Korrekturen angehalten?

Die Tutoren werden nach ihrer fachlichen Qualifikation ausgewählt (ausgebildete Fremdsprachenlehrer mit einschlägigem akademischen Abschluss und Erfahrungen in der Erwachsenenbildung). Ergänzend werden sie gebrieft und regelmäßig in ihrer Arbeit überprüft. Wichtige Vorgaben: leserlich, verständlich, dem Lernniveau angemessen, ausführliche Arbeitshinweise, wo pädagogisch notwendig (diese Arbeitshinweise werden übrigens auch als Incentive dem Fernlehrer separat vergütet).

In welchem Umfang lernen die Kursteilnehmer, Sprache selbst anzuwenden?

Die selbständige Anwendung des Wissens, die Transferleistung und der kreative Sprachgebrauch stehen in allen Kursen von Anfang an bei den Leistungen im Vordergrund, die der Teilnehmer mit dem Fernlehrer über mündliche und schriftliche Einsendeaufgaben sowie in Chats und in Telefonsimulationen austauscht.

Die Stiftung Warentest bemängelt besonders, dass ein Fernkurs nicht dazu geeignet sei, das “Sprechen” zu erlernen. Was ist Ihre Meinung dazu und welche Möglichkeiten zum Erwerb mündlicher Sprachkompetenz bieten die Fernlehrgänge?

Dies ist das alte Vorurteil, das die meisten Lerner auch heute noch aus Schulen mitbringen, die in der Tat kaum Methoden des Selbstlernens beibringen und Generationen von Schülern ohne die Kompetenz kreativen Sprachgebrauchs entlassen. Welch eine Zeitverschwendung, in einem Kurs mit 20 – 30 Teilnehmern (zum Beispiel bei der VHS oder in der gymnasialen Oberstufe) zu sitzen: Der persönliche Sprechanteil ist minimal, ebenso der Korrekturanteil durch den Lehrer (zumal in Gruppenarbeit). Dass man nur so eine Sprache erlernen kann, ist eines der vielen tradierten Mythen aus dem Direktunterricht.

Wir bringen unseren Lernern bei, wie man mit weniger zeitlichem Aufwand gezielter Spaß und Erfolg auch beim Sprechen erreicht. Es ist erschreckend, wie wenig Schulen diese heute eigentlich selbstverständlichen Selbstlerntechniken vermitteln (kein Wunder, dass auch die Stiftung Warentest dem alten Mythos anhängt!). Ich stelle in Einführungsseminaren immer wieder fest, wie dankbar Lerner für einschlägige, im Grunde einfache Tipps zu Techniken sind. Unsere Lehrgangsinformationen gehen speziell darauf umfassend ein – sowohl für Alleinlerner als auch für diejenigen, die mit einem Partner arbeiten möchten. Und stets kann das eigenständig Trainierte am lebenden Objekt, dem Fernlehrer, ausprobiert werden.

Laut Stiftung Warentest kommt gerade im Fernkurs der “Spaß-Faktor” zu kurz…

Der Spaßfaktor sollte nicht durch irgendwelche Gimmicks in den Kurs geholt werden, sondern sollte Teil der gesamten Kursstruktur sein. Multimediale Elemente, die wir auch in einigen Kursen (Englisch interaktiv , Wirtschaftsspanisch) anbieten, werden, wie wir leidvoll erkannt haben, von den meisten Lernern nicht gern angenommen, da viele die nervtötenden, repetitiven “Multimedia”-Kurse (mit ihren ewig gleichen Übungsformen multiple choice, Lückentexte, Drag und Drop) auf dem Markt ausprobiert und gemerkt haben, dass sie damit nur für kurze Zeit Spaß haben, kaum wirklich vorankommen oder sie sich nicht in ihrer Freizeit wieder an den Bildschirm bannen lassen wollen, an dem sie schon den ganzen Arbeitstag verbringen. Von einem Kurztester der Stiftung Warentest mag ein solcher Kurs als durchaus positiv beurteilt werden, ein erfahrener und oft leidgeprüfter ernsthafter Lerner kommt meist zu einem anderen Urteil!

Welche Erfolge können Ihre Kursteilnehmer vorweisen? Wie sind die Rückmeldungen?

Die Rückmeldungen der Teilnehmer (besonders wenn sie sich zunächst auch mit unseren Lerntipps auseinandergesetzt haben) sind sehr positiv. Wir hören auch von vielen sehr gelungenen Prüfungsleistungen (zum Beispiel Cambridge, London Chamber, IHK, vor allem aber auch in unseren Schullehrgängen – die Externenabiturienten müssen im Abitur mindestens zwei Fremdsprachen bestehen). Während ich in den letzten Jahren keine Misserfolgsmeldungen aus öffentlich-rechtlichen Prüfungen bekommen habe (und die Teilnehmer würden sich mit Sicherheit beschwerend melden – zumal wir eine zweite kostenlose Prüfungsvorbereitung vertraglich zusagen), bestehen 9 von 10 Kandidaten, die in die Externenprüfung gehen, ihr Abitur – auch in zwei Fremdsprachen.

Welche Neuerungen im Bereich der Sprachlerngänge planen Sie in nächster Zeit?

Aufgrund des Erfolges werden wir in der nächsten Zeit keine grundsätzlichen Veränderungen unserer Konzepte vornehmen; es gibt auch keine neuen Ansätze in der Fremdsprachendidaktik oder –methodik. Ein eklektischer Ansatz aus Erkenntnissen früherer Trends hat sich durchgesetzt.

Dies heißt nicht, dass es nicht immer wieder etwas zu verbessern gäbe (so zum Beispiel der bereits genannte Austausch unseres Englisch-Grundkurses; oder gerade vor wenigen Monaten der Austausch unseres Russisch-Grundkurses oder zur Zeit die Entwicklung eines neuen Russisch-Aufbaukurses sowie Prüfungsvorbereitungsmodulen für Russisch und Französisch, ein neuer Lateinkurs etc.).

Ihr Schlusswort zum Thema Sprachfernkurse?

Fremdsprachenlernen per Fernunterricht ist eine hervorragende Möglichkeit für ernsthaftere, auch anspruchsvollere Lerner, die ihre Kenntnisse konsequent und solide aufbauen wollen (stets ein großes Problem in Gruppen der Erwachsenenbildung mit ihren hohen Abbruchquoten), die flexibel und unabhängig von Gruppendruck oder Gruppenlangeweile sein wollen, die eine intensive Auseinandersetzung mit der Sprache suchen. Voraussetzung sind das richtige Einstiegsniveau (der Fernunterrichts-Lerner kann seinen Kurs in Ruhe und unverbindlich testen), ein gut konzipierter Kurs (hier gibt es bei ILS/FEB eine breite Auswahlpalette) und nützliche, erwachsenengerechte Lerntipps (gibt es bei ILS/FEB stets zur Einführung).

Vielen Dank für dieses interessante Interview.

Mehr Infos zum Thema Sprachen lernen per Fernunterricht im Sonderthema auf Fernstudium-Infos.de.

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